VIVID ARTIS · Einführung

Margarete Eckert-Preisser

die vier Säulen

Fast fünf Jahrzehnte eines selbstbestimmten Reifeprozesses liegen diesem Werk zugrunde — keiner Mode folgend, sondern einer gelebten Zeitphilosophie. Früh löst Margarete Eckert-Preisser die Grenzen zwischen Bild, Objekt, Raum und Klang auf. Sie nimmt Gefundenes aus der Welt — Graffiti von den Wänden Havannas, Londons, Hamburgs, viktorianische Formen, Spuren des Alltags — und verwandelt es in Bedeutung. Ihr Prinzip: mycreativity4yourlife — Kreativität nicht als Selbstzweck, sondern als Gabe an das Leben anderer.

Aus diesem Gesamtwerk (vivereartis.com) destillieren sich vier Säulen:

Was alle vier eint: die Überzeugung, dass Schönheit nicht im Makellosen liegt, sondern in dem, was bleibt, wenn das Makellose verschwunden ist.

Portables · KalonorosVon der Wand in den Stein — die Kleopatra

Schon einmal in ihrem Werk gab es diese Zäsur: den Moment, in dem sie das Bild von der Wand nahm und es in die Freiheit des Raums entließ — vom Flächigen ins Plastische. Die Kleopatra-Skulpturen für Kalonoros vollziehen genau diesen Schritt zu Ende: vom Bildträger zur vollplastischen Figur, vom Portable zur monumentalen Form. Wie Christo seine Verhüllungen nicht als Verdeckung, sondern als Enthüllung verstand, trägt auch diese Skulptur zeitgenössische Farbigkeit nicht über die antike Form — sie legt mit ihr etwas frei, das unter der marmornen Konvention der Antike verborgen lag. In der Oberfläche der Statuen finden sich die geknüpften Teppiche wieder — ihre grafische, leicht abstrahierende Bildsprache —, in der Farbintensität der Goldenen Göttin die Pigmentdichte der Enkaustik, und im Mut zur Verfremdung der Verschleierten dieselbe installative Konsequenz, mit der die Cyanotypie den Raum erobert.

Die Ikone
Die Ikone
Die Klassische
Die Klassische
Die Göttin
Die Göttin
Die Verschleierte
Die Verschleierte

Zwei Domains, ein Ursprung. vivere und vividus entspringen derselben lateinischen Wurzel — dem Verb vivere, „leben“. Vivere ist der Prozess. Vividus ist sein Extrakt.

vivereartis.com — der Infinitiv: das Œuvre als Werden. Container für das Ganze: ein Schaffen von nahezu fünfzig Jahren, das die gesamte Breite der Maltechniken umspannt und sich nie in eine einzige Handschrift festlegt.

vividartis.com — das Adjektiv: die vier Säulen als Destillat. Container für die Verdichtung: vier Säulen, in denen sich das Œuvre auf seine prägnantesten Formen konzentriert — und nur diese vier.